Kulturpolitik aus kommunaler Sicht
Der Begriff „Kultur“ ist sehr breit gefächert. Er beinhaltet je nach Blickwinkel Bereiche wie Städtebau, Traditionspflege, Schaffung von Schulgebäuden oder Sportstätten bis hin zum klassischen Bild wie Museen, Theater oder Bibliotheken.
Kultur ist ein Zeichen von Freiraum und Freiheit der Gesellschaft. Kultur vor Ort ist die Seele einer Kommune. Vor diesem Hintergrund wird die kulturelle Bildung immer wichtiger. Sie trägt maßgeblich zur Zukunftsfähigkeit und positive Individualisierung der Gesellschaft bei. Sie fördert Kreativität und Toleranz. Kulturinstitutionen erhöhen zudem die Attraktivität einer Stadt. Aufgrund der Umwegrentabilität ist die Kultur mittlerweile auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Kommune geworden. Denn sie schafft neben der Wertebildung auch viele Arbeitskräfte. Als Fazit der Begriffsdefinition kann festgehalten werden: die Kultur ist ein stabilisierender Faktor der Gesellschaft und deshalb im Konstrukt der kommunalen Daseinsvorsorge ein Öffentliches Gut. Kultur braucht zwingend Räume zur Entfaltung. Dieser Freiraum darf nicht reglementiert werden.
Eine Gefahr für die freie Entwicklung von Kultur ist „Gefälligkeitskultur“. Diese kann eintreten, wenn sich Kultur aufgrund fehlender Finanzierung nicht unabhängig entwickeln kann. Die Freiheit der Kunst wird so eingeschränkt. Formen der Kulturfinanzierung wie Public Private Partnerships und Kultursponsoring bergen die Gefahr, dass nur noch Mainstream-Kultur gefördert wird.Sie wird so ein Teil eines Wettbewerbsystems, da beiderlei Finanzierungsquellen für ihre finanzielle Unterstützung auch eine Gegenleistung verlangen. Deshalb muss der Staat der Kultur ausreichend Mittel für eine freie Entfaltung zur Verfügung stellen. Das Mäzenatentum ist hierfür eine sinnvolle Form Ergänzung. Public Private Partnership, Kultursponsoring und Mäzenatentum darf aber die staatliche Kulturförderung nicht ersetzen.
Im Augenmerk dieser Entwicklungen sollte die kommunale Kulturpolitik auf drei Säulen stehen:
- Pluralität: Es darf keinen Gegensatz zwischen Spitzenkultur und Breitenkultur geben. Beides ist wichtig und beides muss entsprechend gefördert werden.
- Dezentralisierung: Kultur darf nicht auf einzelne Zentren beschränkt werden. Sie muss breit in einer Kommune gestreut sein.
- Subsidiaritätsprinzip. Es muss ein breites Angebot geschaffen werden das möglichst vielen zur Verfügung steht.
Neben der finanziellen Förderung ist auch die ideelle Förderung durch die Politik ein wichtiger Baustein. Mit
Besuchen hoher Mandatsträger bei Ausstellungen, Vernissagen oder Eröffnungen wird die Veranstaltungen aufgewertet und gelangen (z. B. über die Presseberichte) in den öffentlichen Fokus. Des Weiteren sollte die Politik für die Vernetzung zwischen Kultur und Gesellschaft sorgen. Hierbei ist eine enge Verzahnung insbesondere mit den Schulen ein wertvoller Baustein. So können Schwellenängste abgebaut und Interesse geweckt werden.
Tags: Dezentralisierung, Kultur, Public Private Partnership, Schulen
16. Oktober 2008 at 16:12
Kommunale Kulturpolitik
„Kultur ist die Seele einer Kommune, ihre Identität“, so Wolf- Dietrich Fehrenbacher Kulturbürgermeister der Stadt Aalen.
In der Tat gehört die Bereitstellung von Kulturangeboten zu den klassischen Aufgaben der Städte. Wichtige Einrichtungen sind Volkshochschulen, städtische Museen und Theater, Musikschulen. Kultur im weiteren Sinne umfasst auch die Bereiche Schulen und Betreuung. Während Bildung Ländersache ist, sind die Kommunen für die Instandhaltung und Modernisierung der Schulgebäude verantwortlich, und haben somit einen großen Einfluss auf die Lern- und Arbeitsatomsphäre in den Bildungseinrichtungen.
Für Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ist Bildung ein ganzheitlicher Begriff, d.h. die Schule muss zum Lern- und Erlebnisraum junger Menschen werden. Dafür setzen sich sozialdemokratische Kommunalpolitiker ein. Auch was die Kultur im engeren Sinne anbetrifft, haben die Städte und Gemeinden einen großen Gestaltungsspielraum.
Isabel Steinweg, Heidelberg