Warum Stadtwerke?
Kommunale Energieversorgung in Baden-Württemberg am Beispiel der Stadtwerke Aalen
Wenn man morgens in der Dusche den Wasserhahn aufdreht oder den Trockenrasierer mit der Steckdose verkabelt, macht man sich – schon allein aufgrund der morgendlichen Müdigkeit – in der Regel keine Gedanken, wo in diesem Falle das Wasser bzw. der Strom herkommt. Wir wollten es genauer wissen und fragten Cord Müller, der Geschäftsführer der Stadtwerke Aalen ist, wie die Energieversorgung in den Kommunen in Baden-Württemberg funktioniert.
Herr Müller begann seine Ausführungen mit einem kleinen Überblick über die Aalener Stadtwerke. Das Unternehmen, das zwar als GmbH organisiert ist, aber dennoch vollends im Eigentum der Stadt steht, versorgt Aalen mit jährlich 500 Mio. kWh Strom, bietet aber neben der Strom- und Wasserversorgung auch Erdgas und Wärme an.
Anschließend ging er auf den Weg des Stroms von der Erzeugung bis zur Lieferung an den Aalener Verbraucher ein und verwies darauf, dass sich dieser in der Praxis maßgeblich von der Theorie – Erzeugung im Kraftwerk, dann Vertrieb und Weiterleitung an den Kunden – unterscheide. So erzeugt in Baden-Württemberg die EnBW, die zu den vier großen Energieerzeugern in Deutschland gehört und die diesbezüglich im „Ländle“ faktisch eine Monopolstellung einnimmt, den Strom in ihren Kraftwerken. Ein Tochterunternehmen der EnBW, die EnBW Trading, erkundigt sich täglich nach den Strompreisen am Markt und kauft dementsprechend den erzeugten Strom auf. Anschließend vertreibt ein weiteres Tochterunternehmen der EnBW den Strom weiter an die Stadtwerke Aalen, die diesen wiederum an den Endkunden liefern.
Warum so kompliziert, mag sich mancher fragen? Warum beziehen wir alle nicht einfach den Strom von der EnBW? Antwort: weil die EnBW dann ihre Monopolstellung noch unverschämter ausnutzen würde als sie es ohnehin schon tut, was steigende Preise zur Folge hätte. Das können sich aber viele nicht leisten. Deshalb bieten Stadtwerke – wie zum Beispiel die in Aalen – Strom und Wasser günstiger an. Diesen Beitrag zur Daseinsvorsorge können die Stadtwerke nur deshalb leisten, weil sie komplett in Besitz der Städte und Gemeinden sind, und ihr Unternehmensziel deswegen nicht in der Maximierung ihrer Gewinne sondern in einer zuverlässigen, preiswerten und flächendeckenden Versorgung der Bevölkerung und der ansässigen Unternehmen liegt.
Während die Stromerzeugungskosten in den letzten Jahren kaum gestiegen seien, sind die Strompreise seit Beginn des neuen Jahrtausends explosionsartig um 550 Prozent gestiegen, weil die Nachfrage nach Strom immer mehr zunimmt. „Das stellt uns vor eine schwierige Situation“, so Herr Müller, weil man diese Kostenentwicklung nicht an die Endverbraucher weitergeben kann und die weitere Entwicklung der Preise unsicher ist. Da die Stromversorger bereits heute, im Jahr 2008, den Strom für das Jahr 2010 kaufen müssen, und der Zeitpunkt der Bestellung den Strompreis festlegt, sind die Stadtwerke Aalen in dieser Frage sehr vorsichtig und versuchen, das Risiko möglichst breit zu streuen, indem sie an verschiedenen Tagen im Jahr Teilmengen ordern.
Um die gestiegenen Strompreise auszugleichen, wollen sich die Stadtwerke Aalen des Weiteren zukünftig verstärkt in die Stromerzeugung einklinken. Dies geschieht in Form von Beteiligungen an den Kraftwerken. So strebt das Unternehmen beispielsweise eine Miteigentümerstellung bei Windanlagen in der Nordsee, sog. Offshore-Windparks, an. Darüber hinaus sind die Aalener Stadtwerke bereits an einigen Kohlekraftwerken beteiligt und setzen dabei vor allem auf die Nutzung von Kraft-Wärme-Kopplung. Dabei wird die bei der Stromerzeugung durch Verbrennung von Kohle freigesetzte Wärme „eingefangen“ und ihrerseits als Energie eingesetzt, was die Energieausbeute stark verbessert. Diese Maßnahmen sorgen bereits dafür, dass die Strompreise für Kunden der Stadtwerke nicht so hoch sind wie bei gewinnorientierten Unternehmen.
Und wenn sich Arbeitslose die gestiegenen Energiekosten dennoch nicht mehr leisten können? Dann lässt man diese bei den Aalener Stadtwerken nicht im Regen stehen: Wer sich die Energiepreise nicht leisten kann, für den hat das Unternehmen laut Geschäftsführer Müller gemeinsam mit der Caritas einen Nothilfefonds eingerichtet, der 20 000 Euro umfasst. Mit diesem Geld wird Bedürftigen die Strom- und Gasrechnung erlassen.
Schön, dass es Stadtwerke gibt.
Stefan Binsch, Sigmaringen
Tags: Daseinsvorsorge, Energie, Stadtwerke
16. Oktober 2008 at 16:09
Die Juso AG Waghäusel (Landkreis Karlsruhe) hat sich auch Gedanken zur Kommunalen Energiepolitik gemacht. Hier unsere Standpunkte:
Kommunale Energiepolitik
Der Klimawandel und seine Folgen sind in aller Munde. Ob Europäische Union, Bundes- oder Landesregierung: alle politischen Ebenen legen Maßnahmenpakete vor, wie der Kohlendioxidausstoß reduziert und gleichzeitig die Energieversorgung sichergestellt werden kann.
Es reicht allerdings bei weitem nicht aus, auf das politische Handeln Anderer zu warten. Auch in unserer Stadt gilt es, auf der einen Seite die Potenziale im Bereich der Erneuerbaren Energien zu heben und auf der anderen Seite Energie einzusparen. Hierbei muss aus unserer Sicht die Stadtverwaltung mit gutem Beispiel vorangehen und entsprechende Maßnahmen umsetzen.
Ziel muss es sein, dass die städtischen Einrichtungen bis zum Jahr 2015 ein Viertel weniger Energie verbrauchen als zur Zeit.
Wir fordern daher:
1. Kommunales Investitionsprogramm Regenerative Energie
a) Um den regenerativen Energien in der Stadt zum Durchbruch zu verhelfen, soll die Stadt ein Investitionsprogramm auflegen. Pro Jahr soll eine kommunale Einrichtung mit einer Solaranlage zur Energie- und Wärmegewinnung ausgerüstet werden. Priorität haben dabei die größeren kommunalen Gebäude.
Zur Finanzierung soll hierfür die Konzessionsabgabe herangezogen werden.
b) Darüber hinaus soll die Möglichkeit geprüft werden, den Energiebedarf öffentlicher Einrichtungen mit Hilfe von modernen Blockheizkraftwerken zu decken.
c) Der Betrieb aller vorher genannten Strom- und Wärmelieferanten erfolgt durch die Stadt Waghäusel. Damit kommt neben den ökologischen Vorteilen auch der finanzielle Vorteil wieder bei den Bürgern an.
2. Energie einsparen!
a) Bei der Neuanschaffung von Fahrzeugen für die Stadtverwaltung ist darauf zu achten, dass diese den neusten Umweltanforderungen gerecht werden. Hierbei gilt der von der EU vorgeschlagene Orientierungsrahmen von 120 Gramm CO2/km. Davon ausgenommen sind selbstverständlich die entsprechend notwendigen Fahrzeuge von Bauhof, Stadtgärtnerei und Feuerwehren.
b) Die städtischen Gebäude sollen im Bereich der Wärmenutzung den Vorgaben des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes unterworfen werden. Dieses sieht ab 2010 für bestehende Bauwerke einen 10-prozentigen regenerativen Anteil am Warmwasser- und Heizwärmebedarf verpflichtend vor. Dieses Ziel soll schnellstmöglich erreicht werden.
c) Das Anstrahlen öffentlicher Gebäude und Kirchen in der Nacht sollte zeitlich begrenzt werden.
d) Bei neu eingerichteten Straßenlaternen ist möglichst auf solarbetriebene LED-Leuchten zurückzugreifen. Wo dies nicht möglich ist, sollten dennoch besonders energiesparende Lampen eingesetzt werden, die auch über eine Dimmerfunktion verfügen sollten, um den Verbrauch besser regulieren zu können.
e) In allen öffentlichen Einrichtungen sind umgehend Energiesparlampen anzubringen.
Was haltet ihr davon?