DSL im Dorf?

Nicht abhängen lassen: Datenautobahnen für den ländlichen Raum in Baden-Württemberg

Viel ist in der Politik und in den Medien vom Abhängen des ländlichen Raumes in Baden-Württemberg zu hören.
Dabei geht es natürlich nicht um das Abhängen am Abend nach der Schule, dem Job oder der Uni, sondern um das Abhängen von den großen Verkehrsströmen wie Autobahnen und ICE/IC-Strecken.

Befürchtet wird ein Ausbluten ländlich geprägter Regionen ohne Großstadt, in denen Unternehmen keine gute Verkehrsanbindung über Autobahnen und Zugstrecken vorfinden und junge Menschen abends nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und Bahn zum Freunde treffen und Party machen in die nächst größere Stadt kommen. 
All dies ist richtig und muss angegangen werden. Ebenso wichtig in unserer globalisierten Welt ist jedoch, dass der ländliche Raum auch nicht von den Datenautobahnen abgehängt wird. Das ist allerdings zu befürchten – auch weil die Telekommunikationsunternehmen, aber auch die CDU/FDP-Landesregierung zu wenig unternehmen.

Möglichkeiten, Internetanschluss auch im ländlichen Raum zu bekommen, gibt es genug: Internet über DSL, Glasfaser, TV-Kabel, Stromnetz, Funk und Satellit. Schwierig gestaltet sich häufig jedoch die Suche nach einem Investor. Da auf dem Land mehr Leitungen verlegt werden müssten, um eine geringere Zahl an AbnehmerInnen zu erreichen, weigern sich Telekommunikationsunternehmen, schnelle Internet-Leitungen zu verlegen. Hinzu kommen geologische Schwierigkeiten, Leitungen insbesondere im durchklüfteten Gebiet der Schwäbischen Alb und des Schwarzwalds zu verlegen. Die Folge ist eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, von denen mit einer schnellen Datenautobahn und solchen mit eher einer „Daten-Kreisstraße mit Schlaglöchern“.

Aber auch für den normalen Jugendlichen ist es wichtig und notwendig, nicht mit einem langsamen Modem den Kontakt ins WorldWibeWeb halten zu können, sondern über eine schnelle (A)DSL-Verbindung. Ansonsten droht auch hier das Abhängen…

Inzwischen scheint aber auch in einigen Rathäusern die Einsicht gewachsen zu sein, dass schnelle Internet-Leitungen eben nicht nur für unsereins ist, um Youtube-Videos anzuschauen, sondern eben auch ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen, sich in einer Kommune anzusiedeln oder eben nicht. Dabei haben die Kommunen durchaus Möglichkeiten: Nachfragebündelung, Beteiligung bei der Finanzierung, Wegerechte und Unterstützung bei Genehmigungsverfahren etc. Aber auch das Land kann durch entsprechende Fördermittel den ländlichen Raum bei der Internet-Anbindung fördern.

Auch wenn erste Versuche in den 1990er Jahren, wie kommunaler Energieanbieter und der Technologieregion Karlsruhe mit TelemaXX scheiterten, können sich hier auch für Stadtwerke neue Geschäftsfelder erschließen. Klaus Eckert

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