Richtig feiern.
Was trinken gehen; Weggehen; Party machen; Feiern; Chillen; usw. mit diesen Begriffen versuchen wir einen nicht geringen Teil unserer Freizeitgestaltung zu umschreiben. Die altmodische Umschreibung dafür dürfte das „Nachtleben“ sein.
Aber was macht ein gutes Nachtleben in einer Stadt aus?
Wie bereits erwähnt geht es dabei in erster Linie um die Gestaltung unserer Freizeit. Ausgenommen sind davon naturgemäß diejenigen, die in Discos, Bars und Kneipen arbeiten. Aber dies zeigt schon, dass auch handfeste finanzielle Interessen wie Arbeitsplätze und Steuereinnahmen hinter einem gelungenen Nachtleben stehen.
Werfen wir aber zunächst einen Blick auf die NachfragerInnen. Da es um die Gestaltung von (arbeits-, schul-, studiums-,) freier Zeit geht, will man abends ein Kontrastprogramm zum grauen Alltag. Da man tagsüber schon von allerlei Konventionen, Regeln, Zwängen und Stress geplagt ist, kann man ein gutes Nachtleben daran messen, wie viele Freiräume es bietet.
Freiräume können schon durch eine große Auswahl an Kneipen, Discos und Bars geschaffen werden. Hierbei ist aber nicht die bloße Anzahl entscheidend. Es geht eher darum, dass Vielfalt geboten wird. Diese Vielfalt kann sich in der Musik, der Einrichtung, der Getränke oder der angebotenen Events ausdrücken. Außerdem gibt es immer mehr Szenen, die sich ein Stammlokal suchen. So spiegelt das Nachtleben auch die soziale Struktur der Stadt wieder.
Freiraum bedeutet aber auch, dass kleine Gruppen oder Szenen die Möglichkeit haben sich selbst zu verwirklichen und ihre Vorstellungen von einem guten Nachtleben umzusetzen. Dies können alternative Jugendtreffs, selbstverwaltete Zentren oder auch Vereinsheime sein. Für die Kultur und die Musikszene in einer Stadt ist es auch wichtig, dass die lokalen Bands Möglichkeiten haben zu proben und aufzutreten. Die Stadt kann in diesen Fällen also nicht von oben herab ein gutes Nachtleben verordnen. Ihre Aufgabe ist es Räume anzubieten und mit den jungen Leuten in Kontakt zu treten um zu erfahren, wo man unterstützend tätig werden kann. Eine zu starke Einmischung von Seiten der Stadt würde wieder zum Verschwinden der Freiräume führen.
Wo die Stadt aber durchaus etwas machen kann ist im Bereich der kommerziellen Anbieter von Nachtleben (gewinnorientierte Diskos, Bars, Clubs etc.) Für das Nachtleben ist es immer besser, wenn es viele kleine unterschiedliche Angebote an die Nachtschwärmer gibt. So bekommt jeder was er sucht und nicht nur das, was die örtliche Großraumdisko gerade anbietet. Leider verschwinden diese kleinen Clubs zunehmend, während die großen Tanzbunker zunehmen. Die Stadt kann durch Bebauungspläne und Baugenehmigungen solchen Entwicklungen durchaus entgegenwirken. Hinzu kommt, dass man bei den Großraumdiskos in einem Dilemma steckt: werden diese außerhalb der Stadt angesiedelt, so sind sie zu Fuß oder mit dem Bus schwer zu erreichen. Besoffene Autofahrten sind oft die Konsequenz. Wenn aber eine Großraumdisko zentral in der Stadt gebaut wird, so sind die vielen Besucher, der Lärm und der Müll für die Anwohner oft unerträglich. Kleinere Angebote sind aber leichter in der Stadt unterzubringen und sind durch die geringere Besucherzahl verträglicher für die Anwohner.
Problematisch sind die unterschiedlichen Interessen der BürgerInnen (schlafen oder feiern) besonders in Studentenstädten. Hier haben die Studierenden oft einen komplett anderen Partyrythmus als der Rest der Bevölkerung. So arbeiten nicht wenige die ganze Woche um am Wochenende wieder kräftig feiern zu können (thank god it´s friday!), während Studierende sich auch unter der Woche eine Auszeit nehmen können.
Hier gilt es durch kluge kommunalpolitische Maßnahmen (Schallschutz, gutes ÖPNV Angebot, entzerrende Bebauungsplanung, Bewusstseinsbildung) die Konflikte zu entschärfen. Generell sollte aber auch unter der Woche ein gutes kulturelles Angebot gewährleistet sein, damit sich das Aufkommen an PartygängerInnen verteilt und die Einrichtungen auch wirtschaftlich betrieben werden können.
Insgesamt sollte sich die Stadt aber eher zurückhalten und den örtlichen Strukturen die Möglichkeit geben, sich frei zu entwickeln. Dann kann man seine FREIzeit auch wirklich genießen.
Frederick Brütting
Tags: Freizeit, Nachtleben
06. Dezember 2008 at 12:22
Was trinken gehen und richtig feiern, wer will das nicht. In größeren Städten dürfte dies eher kein Problem darstellen. Im ländlichen Raum stellt sich die Situation jedoch ganz anderst dar. In den meisten kleineren Städten bzw. Gemeinden gibt ein bis zwei Kneipen und damit hat sich die ganze Auswahl des “Nachtlebens” auch schon erledigt.
Mir stellt sich die Frage was dort verändert werden kann. In Städten wie Stuttgart, Ulm, Karlsruhe, usw… dürfte sich diese Sache schneller geklärt haben, wie in einer Gemeinde wie z.B. Bopfingen. Meiner Meinung nach muss hierbei ein anderer Ansatz gefahren werden. Es ist meistens nicht zu erwarten, dass sich ein kleiner Club ansiedelt, geschweige eine Großraumdisco, da sich ein wirtschaftlicher Erfolg nicht einstellen wird. Im Grunde muss zweigleisig gefahren werden. Zum einen muss für das Wochenende ein gut funktionierender ÖPNV eingerichtet werden, damit man nicht gezwungen ist mit dem Auto zu fahren.
Zum anderen muss sich eine Gemeinde Gedanken machen, was unter der Woche angeboten werden kann. Das naheliegendste wäre ein Jugendzentrum. Dies kann jedoch nur funktionieren, wenn die Stadt ebenfalls einen geeignete(n) pädagogische(n) Sozialarbeiter(in) einstellt. Dies klingt leider leichter, als es in Realität ist. Eine Einrichtung wie ein Jugendzentrum hat in den meisten Gemeinden keine hohe bzw. gar keine Priorität. Hierbei muss ein Ansatz gefunden werden, wie Gemeinden auf den richtigen Weg gebracht werden.
06. Dezember 2008 at 20:13
@Ronald
In Konstanz wurde vor gut 10 Jahren auf Initiative der Jusos der Nachtschwärmer eingerichtet. Ein wichtiges Argument war auch die Reduzierung von “Disco-Unfällen” - in Bopfingen müsste man vermutlich eher ein Anrufsammeltaxiangebot schaffen, aber auf jeden Fall finde ich den Ansatz Ausbau des ÖPNV richtig.
06. Dezember 2008 at 22:30
Noch was zum Nachtleben auf dem Land:
Da wo ich herkomme, gibts jede Menge mobile Diskos, Coverbands und Faschingsveranstaltungen.
Zur Qualität der Musik sag ich jetzt mal nix. Was mich aber schon lange stört ist, dass die meisten dieser Veranstaltungen von der Kreissparkasse gesponsert werden. Als Anstalt des öffentlichen Rechts sollten sich die KSKen mal überlegen, was sie damit unterstützen. Auf diesen Events gibt es kaum bis gar keine Alterskontrollen. so sind oft 14 jährige gut dabei wenns ums saufen geht.
Wenn sich die KSK diese Mittel einspart, dann wären zwar weniger aber dafür bessere und sozial-verträglichere Veranstaltungen möglich. Jedes Wochenende Komasaufen strengt doch auch an….
Freddi Brütting