Chancen ergreifen – das Miteinander der Generationen stärken

Deutschland wird älter! Vor wenigen Jahren noch bestritten viele PolitikeInnen jeglicher Couleur das Phänomen der alternden Gesellschaft – die demografische Entwicklung, mit einer großen und mobilen Bevölkerungsgruppe der SeniorInnen, wurde geleugnet. Während auf bundespolitischer Ebene zaghaft Maßnahmen ergriffen werden, um diese Entwicklung abzufedern und die für die Sozialversicherungssysteme negativen Folgen erträglich zu gestalten, wie die Umstellung von Umlagefinanzierung auf Steuerfinanzierung im Rentenversicherungssystem, ist das Thema Demografie und Generationengerechtigkeit auch vor Ort, in den Kommunen, hoch interessant und aktuell.

Für Jugendliche klingt die Frage nach einer Organisation des zukünftigen Zusammenlebens der Generationen mit immer weniger jungen Menschen und mit einer zunehmenden Zahl an älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern nicht besonders „sexy“ – wer wird schon gerne daran erinnert, dass das Leben kein ewiger Jungbrunnen ist? Mehrgenerationenhäuser, barrierefreier Nahverkehr, wohnortnahe Versorgung mit Lebensmitteln – die nächste Party im Jugendzentrum oder die Diskussion um die bevorstehende Schwimmbadschließung erregen die Gemüter schon eher. Dabei ist das nur eine Facette eines Themenkomplexes, der mit dem Wort Generationengerechtigkeit nur schemenhaft zu fassen ist. Es geht um die Frage: Wie lassen sich die Interessen von Jugendlichen, Familien und SeniorInnen in „Deiner Stadt der Zukunft“ unter einen Hut bringen.

Heute an morgen denken!

Die Finanzlage zahlreicher Kommunen ist mit dem Wort verheerend gut beschrieben. Jahrelang wurde – leider – über die Verhältnisse gelebt. Heute schon leiden die Menschen unter dieser Kurzsichtigkeit, vielerorts soll Tafelsilber, wie städtische Wohnungsanlagen, an Investoren verhökert werden. Uns, die Generation junger Menschen, wird dies noch hart treffen: Die Sanierungsbedürftigen Schulen, die wir besucht haben, sehen dann für unsere Kinder nur noch wie Barracken aus. Über einen Sporthallenneubau wird gar nicht erst diskutiert werden – kein Geld ist vorhanden.

Wenn viele Kommunen jetzt nicht an den Förderungsmaßnahmen des Konjunkturpaket II teilnehmen können, weil sie aus den laufenden Haushalten die finanziellen Eigenbeteiligungen nicht stemmen können, ist für uns Jusos klar: Unsere Stadt der Zukunft ist eine, in der uns beim Anblick des Schuldenbergs nicht schummrig wird! Wir haben dann auch in 30 Jahren noch die Möglichkeiten, Schulen zu sanieren, Sporthallen zu bauen, neue Busverbindungen zu schaffen und lokale Newcommer-Bands zu fördern.

Gemeinsam stark!

Schon heute prägen in Städten und Gemeinden abseits der großen Uni-Metroplen viele ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger das Erscheinungsbild. SeniorInnen sind zunehmend mobil bis ins hohe Alter, gehen Hobbies nach wie ihre Enkel – und haben doch andere Bedürfnisse als wir. Generationengerechtigkeit bedeutet: Gemeinsam für gute und erschwingliche Betreuungsangebote vor Ort kämpfen, einen öffentlichen Nahverkehr mit barrierefreien Zugangsmöglichkeiten schaffen und eine wohnortnahe Versorgung durch Lebensmittelgeschäfte vor Ort sicherstellen. In unserer Stadt der Zukunft gibt es keine Abwägung der Interessen gegeneinander – jung gegen alt, Schulneubau gegen Seniorenzentrum. Nicht mit uns!

Interessant ist es für Kommunen zum Beispiel, Mehrgenerationenhäuser zu schaffen und zu fördern. Wenn drei, vielleicht sogar vier Generationen unter einem Dach leben, wird nicht nur das Miteinander gestärkt, es entstehen auch ungeahnte Möglichkeiten: Während für die älteren Bewohner ein Großeinkauf oft unüberwindbare Belastungen bedeutet, fehlen jungen Familien die wohnortnahen Betreuungsmöglichkeiten – die Kommune hatte geschlafen. Sich gegenseitig Unterstützen, beim Einkauf oder der Kinderbetreuung, schafft Erleichterung und schnelle Abhilfe.

In einer Gesellschaft, die sich zunehmend individualisiert, sind solche Gedanken über generationenübergreifendes, gemeinsames Handeln wichtig. Zeigen sie doch, welche Chancen die demografische Entwicklung bietet – Chancen, soziale Kontakte zu vertiefen, das Miteinander zu stärken, die Zukunft zu sichern. Dabei alle Akteure einbinden – von jung bis alt – werden wir Jusos in unserer Stadt der Zukunft verwirklichen.

Mark Zanger, Baden-Baden

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