Positionen
Kommunalpolitische Plattform der Jusos Baden-Württemberg für die Kommunalwahlen am 07. Juni 2009
Einmission possible!
Wie soll sie aussehen, Deine Stadt der Zukunft?
Kommunalpolitik ist spannend. Viele für die Menschen wichtige Zukunfts- und Gerechtigkeitsfragen müssen in den Kommunen beantwortet werden. Als Jusos Baden-Württemberg stellen wir in unserer kommunalpolitischen Plattform dar, wie wir uns eine soziale, chancengerechte und zukunftsorientierte Kommunalpolitik vorstellen.
Die kommunalpolitische Plattform ist das Ergebnis unserer Initiative „Deine Stadt der Zukunft“ (DSDZ). Bei dieser Kampagne haben sich junge Menschen Gedanken gemacht und kreative Ideen entwickelt. Wir zeigen mit dieser kommunalpolitischen Plattform Zukunftsperspektiven für alle Kommunen auf, ob groß oder klein.
Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, mit Kreativität, Mut und Einfallsreichtum die Zukunftsfragen in der Kommunalpolitik zu beantworten. Denn Kommunalpolitik machen, heißt, genau hinschauen, sich einmischen, Probleme lösen. Ob Großstadt oder idyllisches Dorf, ob Industrieregion oder ländlicher Raum, ob Kurort oder Universitätsstadt – wir wollen unsere Kommunen verändern und unsere Visionen vor Ort in die Tat umsetzen.
Wir sind die junge Generation, die Kommunalpolitik aus den Sitzungszimmern der Rathäuser auf die Straße trägt! Wir fordern unsere Stadt der Zukunft. Und zwar jetzt!
Mitmachen statt meckern
Wir wollen die BürgerInnen beteiligen, bevor die Entscheidungen in der Gemeinde getroffen werden. Dies kann über Stellungnahmen der BürgerInnen, die Teilnahme als sachkundige BürgerInnen in den Ausschüssen oder in BürgerInnenversammlungen erfolgen.
„Mehr Demokratie wagen“ ist für die Jusos Baden-Württemberg keine Floskel. Deshalb müssen die Hürden für einen BürgerInnenentscheid, beispielsweise im Bereich Bauleitplanung und Verwaltungsöffnungszeiten, in der Gemeinde abgebaut werden. Darüber hinaus müssen die (Zustimmungs-)Quoren und die Fristen für BürgerInnenbegehren gesenkt werden, damit direkte Demokratie sich breit entfalten kann.
Wichtiger Bestandteil einer demokratischen Kommune ist für uns auch die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre. Doch Jugendbeteiligung fängt beim Wahlalter gerade erst an. Ein weiteres Element muss die Beteiligung Jugendlicher in Form von Jugendgemeinderäten sein, die sich nicht nur in bloßer Beratungstätigkeit erschöpfen dürfen. Die Jugendgemeinderäte müssen mit einem Antragsrecht im Gemeinderat und einer eigenen Budgethoheit ausgestattet sein. Unser Ziel ist es dabei, Jugendliche ganz unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Bildungsniveaus für die Arbeit im Jugendgemeinderat zu begeistern. Jugendgemeinderäte sollen nicht bloße Vertretungen der örtlichen Gymnasien sein, sondern die Breite der Jugendlichen repräsentieren.
Gemeinsam statt gegeneinander
Die Jugendsozialarbeit der Städte und Gemeinden besteht aus drei Bereichen: der Offenen Jugendarbeit in Jugendzentren, der Schulsozialarbeit sowie der aufsuchenden Sozialarbeit („Streetworking“), deren Verzahnung wesentlich für eine gute und funktionierende Jugend- und Schulsozialarbeit ist.
Leider erfreuen sich diese Maßnahmen in vielen Kommunen – auch größeren – nicht immer der notwendigen finanziellen und fachlichen Aufmerksamkeit. Besonders im Bereich der Schulsozialarbeit hat der Rückzug des Landes aus der Finanzierung zu unverantwortlichen Lücken geführt. Wir fordern für jede Schule eine 100-Prozent-Stelle für Schulsozialarbeit und den Wiedereinstieg des Landes in die Kostenbeteiligung.
Kommunale Verantwortung bedeutet für uns bei der Jugendarbeit nicht zwingend, dass die Städte und Gemeinden diese Aufgaben auch selbst durchführen müssen. Vielfach kann auf freie Träger mit einer breiten Erfahrung zurückgegriffen werden. Um einer Benachteiligung von ärmeren Kindern entgegenzuwirken, ist deshalb langfristig eine Kostenfreiheit von Betreuungsangeboten anzustreben. Einkommensabhängige Betreuungsgebühren sehen wir als eine sozialverträgliche Lösung auf dem Weg zu einer Kostenfreiheit von Betreuungsangeboten an. Wir fordern die lückenlose Gebührenfreiheit vom Kindergarten bis zur Schule und Universität. Darüber hinaus müssen flächendeckend ausreichend Betreuungsplätze zur Verfügung gestellt werden. Dies bedeutet auch, dass das Personal entsprechend aufgestockt und geschult wird. Wir setzen dabei auf den Aufbau von Kindertagesstätten und ein Netz von Tagesmüttern, die ihre Dienstleistungen zeitlich flexibel aufteilen können. Die Bezahlung öffentlich angestellter Tagesmütter muss dem gesellschaftlichen Wert ihrer Arbeit entsprechend angehoben werden.
Vielfalt statt Einfalt
Der Schlüssel für eine gelungene Integration von MigrantInnen ist Bildung. Nur durch eine Überwindung des dreigliedrigen Schulsystems kann eine gerechte Bildungslandschaft, die den Bedürfnissen junger Menschen mit Migrationshintergrund gerecht wird, geschaffen werden. Eine zentrale Rolle bei der Integration junger Menschen nimmt die Sprachförderung ein. Diese muss bereits so früh wie möglich, spätestens im vierten Lebensjahr, erfolgen. Wir sprechen uns insbesondere für Sprachförderungsprogramme aus, die die Eltern einbeziehen. Vor dem Hintergrund der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass die Förderung der Sprachfähigkeit in der Muttersprache das Erlernen einer Fremdsprache erheblich erleichtert, sprechen wir uns für die Förderung des muttersprachlichen Unterrichts für Kinder mit Migrationshintergrund aus. Die Stadt muss dies mit einem entsprechenden Raumangebot unterstützen und eine koordinierende Rolle einnehmen.
MigrantInnen müssen Raum für ihre Kultur haben und gleichzeitig als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft anerkannt werden. Die Aufgabe einer intelligenten Stadtplanung ist es, Ghettoisierungen sowie die Entstehung ganzer Parallelgesellschaften zu verhindern. MigrantInnen dürfen von der politischen Partizipation nicht ausgeschlossen werden. Die Einrichtung von gewählten Migrationsbeiräten spielt dabei eine wichtige Rolle. Wir Jusos sprechen uns für das kommunale Wahlrecht für Nicht-EU-AusländerInnen aus, um ein bestehendes Demokratiedefizit zu beheben. Zudem fordern wir von den Kommunen die bewusste Einstellung von Auszubildenden und Beschäftigten mit Migrationshintergrund.
Solidarität statt Armut
Die Schere zwischen Arm und Reich geht in Deutschland immer weiter auseinander. Wir Jusos Baden-Württemberg fordern daher, dass in allen Stadt- und Landkreisen alle zwei Jahre ein Armutsbericht erstellt wird, der das Ausmaß der Armut aufzeigt. Auf Grundlage dieses Armutsberichtes sollen Strategien zur Bekämpfung der Ursachen und Folgen von Armut eingeleitet werden. Hierfür ist eine Politik gefragt, die vorsorgende Maßnahmen ergreift, um ein Abrutschen in Armut von vornherein zu verhindern, ebenso wie nachsorgende Elemente. Zu einer solchen Politik gehört auch die Schaffung sozialer Infrastruktur wie die Bereitstellung kostenloser Schulmittagessen für Bedürftige, Tafelläden und die Möglichkeit der kostenlosen Nutzung städtischer Einrichtungen.
Vereine statt alleine
Das Vereinsleben ist Ursprung und Stütze eines jeden bürgerschaftlichen Engagements in einer Kommune. Die Jusos erkennen die Sozial- und auch Bildungsarbeit an, die in Vereinen geleistet wird. Deswegen fordern wir eine starke Infrastruktur für Vereine, die den aktiven BürgerInnen ihre ehrenamtliche Arbeit erleichtert und unbürokratisch unterstützt. Um die ehrenamtliche Arbeit in den Vereinen zu entlasten, fordern wir, dass die Gemeinde die entstehenden Kosten für eine Steuerfachkraft übernimmt, welche die Vereine selbst beauftragen dürfen. Dies soll geschehen, um insbesondere mittlere Vereinen bei der Erstellung ihrer Jahresabschlüsse zu unterstützen und zu beraten.
Vereine leben von den aktiven Mitgliedern und dem Nachwuchs. Deshalb fordern wir, dass die Gemeinden anteilig Vereinsbeiträge für Kinder bis 18 Jahre übernehmen, wenn die Kinder in einem von staatlichen Sozialleistungen abhängigen Haushalt leben. Vereinsaktivität darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen.
Zukunftsgut Bildung
In ihrer Rolle als Schulträger sind die Kommunen neben dem Land die wichtigsten Akteure in der Bildungspolitik. Wir setzen uns dafür ein, dass Kommunen die baulichen Voraussetzungen schaffen und modernes Unterrichtsmaterial zur Verfügung stellen, damit SchülerInnen sich in ihrer Schule wohlfühlen und ihre Lernumgebung auf dem neuesten Stand ist. Ganztagesschulen bieten durch die Zusammenarbeit mit anderen Bildungsträgern und außerschulischen Partnern ein Mehr an Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Sie ermöglichen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. In jeder Kommune sollte es daher Ganztagsschulangebote geben.
Wir setzen uns für mehr Unabhängigkeit und Freiheit der einzelnen Schulen ein. Bereits vorhandene Spielräume wie eigenständige Schulprofile müssen jetzt konsequent genutzt werden. So kann zum Beispiel in Wohngegenden mit einem hohen MigrantInnenenanteil der Fokus auf interkulturelles Lernen und Sprachförderung gelegt werden. Wir setzen uns für wohnortnahe Schulen ein. Falls dies durch zu geringe SchülerInnenzahlen schwierig ist, kann durch die Zusammenlegung der Schularten die Schule vor Ort erhalten bleiben und das mehrgliedrige Schulsystem überwunden werden. Wir fordern, dass das Land die Voraussetzungen dafür schafft, dass vor Ort entwickelte Schulkonzepte zur Umsetzung dieser Ziele verwirklicht werden können. Bildung endet nicht mit der Schulpflicht. Volkshochschulen und Bibliotheken sollen Bildung für Jung und Alt ein Leben lang ermöglichen.
Sozial-ökologisches Planen statt blinde Bauwut
Dem massiven Flächenverbrauch in Baden-Württemberg setzen wir Jusos eine nachhaltige Planungs- und Flächenpolitik entgegen. Dazu gehört neben der Innenentwicklung und der Wiedernutzung alter Industrie- und Gewerbegebiete, dem Schließen von baulichen Lücken in Baugebieten und der Entwicklung von Nutzungskonzepten für leer stehende Bauten auch die stärkere Förderung der Sanierung des Altbestands. Aus ökologischen Gründen und um einer Zersiedelung entgegenzuwirken, muss gelten: Innenentwicklung vor Außenentwicklung.
Die Kommune hat sozialen Wohnraum in ausreichender Qualität und Menge zur Verfügung zu stellen. Dem Verkauf städtischer Wohnungen stehen wir kritisch gegenüber. Weiterhin fordern wir kommunale Wohnungsbauförderprogramme unter Berücksichtigung von Familienfreundlichkeit und sozialen Aspekten. Wir Jusos Baden-Württemberg fordern neue Herangehensweisen in der Stadtteilentwicklung. Dabei sollen Programme für benachteiligte Stadtteile, wie das Programm „Soziale Stadt“, ausgeweitet und finanziell aufgewertet werden. Dabei fordern wir, dass die zur Verfügung gestellten Mittel auch im nicht-baulichen Bereich genutzt werden dürfen.
Mobil statt Automobil
Unsere Verkehrspolitik zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Wünsche der Menschen nach Mobilität und Lebensqualität mit den Zielen des Umweltschutzes in Einklang bringt. Diese Politik muss alles dafür tun, die individuelle Fortbewegung im öffentlichen Nahverkehr zu ermöglichen.
In den Städten hat sich bereits ein gut ausgebauter ÖPNV mit „Park&Ride“-Angeboten etabliert, der in den letzten Jahren vielerorts durch die Möglichkeit des Carsharings ergänzt wurde. Wir begrüßen diese Entwicklung, da durch die Wahrnehmung dieser Angebote unnötige Staus und Abgase vermieden werden und die Lebensqualität in unseren Städten erhöht wird.
Gerade in den ländlichen Teilen Baden-Württembergs sind die Menschen mangels ausreichenden ÖPNV-Angebot aber immer noch stark auf ihr Auto angewiesen. Wir wollen auch hier im Rahmen des ÖPNV Mobilität für alle auch abends und am Wochenende gewährleisten und dabei den Bedürfnissen der Menschen nach Pünktlichkeit, Barrierefreiheit, kurzen Wegen durch ein enges Netz von Haltestellen und günstigen Preisstrukturen entgegenkommen. Wo die Bereitstellung von Bussen aufgrund zu geringer Fahrgastzahlen ineffektiv wäre, sind wir für die Bereitstellung von Anrufsammeltaxen. Für Kommunen, die durch starken Straßenverkehr beeinträchtigt werden, streben wir durch Ortsumgehungen eine Steigerung der Lebensqualität an.
Verkehrspolitik bedeutet für uns auch, mehr für die Sicherheit der am Verkehr teilnehmenden Menschen, insbesondere für RadfahrerInnen, FußgängerInnen und Kinder, zu tun. Deswegen wollen wir, dass genügend FußgängerInnenampeln installiert, verkehrsberuhigte Bereiche in Wohngebieten geschaffen und verkehrssichere Strassenübergänge gebaut werden.
Menschenrecht statt Privileg
Die Versorgung mit Energie und Wasser gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Diese zu erfüllen, ist Aufgabe der öffentlichen Hand. Wo die Städte ihre Wasser- und Energieversorgung privatisiert haben, gilt es, durch Rückkäufe den kommunalen Einfluss wieder zu sichern. Als hoch problematisch betrachten wir die Tendenzen auf europäischer Ebene, auch den Wassermarkt dem EU-Wettbewerbsrecht zu unterwerfen. Dies läuft der sozialdemokratischen Vorstellung von Wasser als einem menschlichen Grundbedürfnis zuwider.
Das Einsparen von Energie hat – auch und gerade in der Kommune – zwei Seiten. Zum einen die des Klimaschutzes: Wer Energie einspart, schützt die Umwelt und beugt dem Klimawandel vor. Zum zweiten die der Kostenersparnis: Wer weniger Energie verbraucht, der spart Energiekosten. Eine wirksame Maßnahme kann hier zum Beispiel kommunales Energiemanagement sein, das verschiedene Maßnahmen in der öffentlichen Verwaltung aufeinander abstimmt und koordiniert. Darüber hinaus soll die Kommune Energiesparmaßnahmen im Rahmen ihrer Möglichkeiten fördern. Konkret fordern wir Energiesparlampen in allen öffentlichen Gebäuden, die Anschaffung von sparsamen Fahrzeugen, das Zurückgreifen auf solarbetriebene Leuchten bzw. den Einbau von Lampen mit Dimmerfunktion in Straßenlaternen, sowie entsprechende Investitionen in kommunale Infrastruktur wie die Wärmedämmung von Gebäuden.
Ein weiteres Standbein kommunaler Energiepolitik muss die Erhöhung der Energieeffizienz und der Aufbau dezentraler Stromerzeugungsstrukturen sein. Die in Kraftwerken produzierte Energie muss durch Kraft-Wärme-Kopplung und Fernwärmenetze effizienter eingesetzt werden.
Die Kommunen müssen dabei vor allem die Aufgabe übernehmen, die BürgerInnen zu motivieren, verstärkt auf die erneuerbaren Energieträger zu setzen. Die Gemeinden müssen mit gutem Beispiel vorangehen. So begrüßen wir die Schaffung von Anreizen durch kommunale Förderprogramme und den Bau von Photovoltaikanlagen mit BürgerInnenbeteiligung auf Dächern öffentlicher Gebäude. Auf städtischen Flächen dürfen soweit möglich und sinnvoll nur Passiv- und Niedrigenergiehäuser entstehen.
Nachhaltig statt kurzfristig
Die Leitlinie für sozialdemokratische Haushaltspolitik muss lauten: nachhaltig, ehrlich und bedarfsorientiert. Ziel sozialdemokratischer Haushaltspolitik muss es sein, die aktuelle Generation optimal zu versorgen und gleichzeitig künftigen Generationen eine – auch finanziell – gesunde Kommune zu gewährleisten. Dazu gehört für uns ein Hebesatzrecht der Kommune auf die Einkommenssteuer. Die Beteiligung der Kommune an finanziellen Risikogeschäften lehnen wir ab.
Als Form der stärkeren Demokratisierung innerhalb der Kommune stehen wir für die Ausweitung so genannter Beteiligungshaushalte, die den BürgerInnen mehr Mitspracherechte einräumen.
Ausbilden statt ausnutzen
Die Kommune muss ihrer Rolle als Arbeitgeber gerecht werden. Wir fordern daher eine städtische Ausbildungsquote von sieben Prozent und eine Übernahme der Auszubildenden nach der Ausbildung für mindestens ein Jahr. Zudem wünschen wir uns in den Kommunen flächendeckend „Netzwerke für Arbeit“.
In diesem „Netzwerk für Arbeit“ sollen die VertreterInnen der Kommune, der lokalen Schulen, der Agenturen für Arbeit, der Tarifpartner sowie der Schülermitverwaltung und/oder des Jugendgemeinderats gemeinsam eine Basis schaffen, um jungen Menschen Ausbildungsplätze und Berufspraktika zu gewährleisten. Dieses Netzwerk soll zum einen SchülerInnen über die Ausbildungsmöglichkeiten in ihrer Stadt informieren, zum anderen soll es die lokalen Betriebe in die Pflicht nehmen, auszubilden, auch wenn eine Übernahme aus betrieblichen Gründen danach nicht gewährleistet werden kann. Auch Ausbildungsverbünde können über dieses Netzwerk organisiert werden. Die Kommune selbst hat Ausbildungsplätze bereit zu stellen.
Gute Arbeit muss auch in der Kommune gelten. Deswegen fordern die Jusos bei der Auftragsvergabe Tariftreue ein.
Städtepartnerschaften fördern
Städtepartnerschaften bringen Menschen unterschiedlicher Länder einander näher, fördern den kulturellen Austausch und dienen dazu, Vorurteile abzubauen. Sie sind daher im europäischen Integrationsprozess unerlässlich. Wir setzen uns für die Begründung neuer und den Erhalt und die Vertiefung bestehender Städtepartnerschaften ein. Insbesondere begrüßen wir das Eingehen von Städtepartnerschaften mit Kommunen in den neu der Europäischen Union beigetretenen Ländern Osteuropas und der Türkei. Partnerschaften zu Gemeinden in Entwicklungsländern mit dem Ziel Entwicklungsprojekte vor Ort zu finanzieren, machen Entwicklungszusammenarbeit erfahrbar und stärken die internationale Solidarität.
Europa erleben
Die Europäische Union bietet eine Vielzahl verschiedener Förderprogramme an. Unter anderem gibt es Zuschüsse für Sozial-, Kultur-, Naturschutz- und Technologieprojekte. Davon profitieren die BürgerInnen vor Ort ebenso wie die regionale Wirtschaft. Um aber den Nutzen aus solchen Programmen zu ziehen, braucht es das nötige Wissen. Wir setzen uns dafür ein, dass größere Kommunen und Landkreise Europabüros errichten, deren Aufgabe es ist, über aktuelle Fördermöglichkeiten zu beraten und den Menschen Europa näher zu bringen.
Bunt statt braun
Der Kampf gegen Rechtsextremismus ist eine zentrale Aufgabe der demokratischen Gemeinde. Wir Jusos wünschen uns Städte und Gemeinden, die von Offenheit und Vielfalt geprägt sind. Wir fordern daher die Etablierung langfristiger Projekte gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Projekte gegen Rechts müssen mit kommunalen Vereinen und Organisationen vernetzt werden, damit sie ihre Wirksamkeit entfalten können. Des Weiteren fordern wir die Gemeinderäte, die Verwaltung, die Polizei, die Jugend- und Sozialeinrichtungen sowie die Schulen dazu auf, nicht wegzuschauen, wenn in ihrer Stadt RechtsextremistInnen offen auftreten und DemokratInnen bedrohen. „Aktives Ignorieren“ ist feige und verkennt die Gefahr, die von RechtsextremistInnen ausgeht.
Kultur für alle statt Eliten-Bespaßung
Die städtische Kultur ist ein öffentliches Gut, das für jede/n Einwohner/in diskriminierungsfrei zugänglich sein muss. Dabei dürfen Spitzen- und Breitenkultur nicht gegeneinander ausgespielt werden. Vielmehr müssen beide Arten gefördert werden, um sicherzustellen, dass es in einer Kommune ein breites, dezentrales Netz an Angeboten gibt, das sich nicht nur auf die Innenstadt beschränkt. Eine Verzahnung von Sozial-, Bildungs- und Kulturpolitik kann gerade in der Stadtteilarbeit in sozialen Brennpunkten besonders nachhaltig wirken.
Das Integrationspotential von Kulturangeboten wie Familienzentren, städtischen Musikschulen, Volkshochschulen und alternativer Kultur muss stärker anerkannt und finanziell gefördert werden. Es muss sichergestellt werden, dass alle MigrantInnen Zugang zu diesen in der öffentlichen Bildungsinfrastruktur verankerten Einrichtungen haben. Um sicherzustellen, dass einkommensschwache Familien am Kulturangebot teilhaben können, ist eine Subventionierung der Beiträge durch die Kommune notwendig. Neben der finanziellen Förderung darf auch die ideelle Unterstützung durch MandatsträgerInnen und VertreterInnen der Stadt nicht fehlen. Kultur ist mittlerweile auch ein wichtiger Standortfaktor der Kommune geworden, denn die Attraktivität einer Stadt hängt auch von ihrem Kulturangebot ab. Neben dem Standortfaktor spielt auch der Wirtschaftsfaktor eine Rolle – schließlich birgt der Kultur- und Kreativsektor ein hohes Beschäftigungspotential.
Beim Nachtleben geht es in erster Linie um die Gestaltung unserer Freizeit. Deshalb kann man ein gutes Nachtleben daran messen, wie viele Freiräume es bietet. Dies bedeutet, dass auch kleine Gruppen oder Szenen die Möglichkeit haben sollten, sich selbst zu verwirklichen und ihre Vorstellungen von einem guten Nachtleben umzusetzen. Dies können alternative Jugendtreffs, selbstverwaltete Zentren oder auch Vereinsheime sein. Für die Kultur und die Musikszene in einer Stadt ist es auch wichtig, dass die lokalen Bands über Raummöglichkeiten für Proben und Auftritte verfügen. Die Aufgabe der Stadt ist es, Räume anzubieten und mit den jungen Leuten in Kontakt zu treten, um zu erfahren, wo die Verwaltung unterstützend tätig werden kann.
Für das Nachtleben ist die Existenz viele kleiner, unterschiedliche Angebote bereichernd. So können verschiedene Kulturinteressen bedient werden. Ein gutes Nachtleben zeichnet sich durch Vielfalt aus.
Zu beachten sind auch die unterschiedlichen Interessen der BürgerInnen. Hier gilt es, durch kluge kommunalpolitische Maßnahmen (Schallschutz, gutes ÖPNV-Angebot, entzerrende Bebauungsplanung, Bewusstseinsbildung) die Konflikte zu entschärfen. Eine Kommune sollte aber Wert auf ein gutes Nachtleben legen, da auch handfeste finanzielle Interessen wie Arbeitsplätze und Steuereinnahmen davon abhängen.
Das alles und noch viel mehr wollen wir gemeinsam mit Euch in die Tat umsetzen.
Dafür brauchen wir Eure Unterstützung!
Bei den Kommunalwahlen am 07. Juni 2009 und an jedem Tag in unseren Städten und Gemeinden. Es geht um unsere Stadt der Zukunft!